Fahrkartentexte der Kinderfahrkarten 1998 & 1999

   
Text 01

Kinderreim
Nun weine man nich', nu weine man nich', in der Röhre steh'n Klöße, die siehste bloß nicht.
 

Text 02 Die Pflaume Franz, Pocci
Dort oben auf dem Baume - Gebt acht! - Da sitzt versteckt die Pflaume und lacht. Nun stellt euch alle unter  den Baum und rüttelt munter Und schüttelt sie herunter, Daß´s kracht!
 
Text 03 Kinderleben Franz, Pocci
Hörst du schlagen halber acht! Gleich das Buch zurecht gemacht. Schau, wie´s wudelt groß und klein, Dick und dünn zur Schul´ hinein. Und nun spring´ und lern´ recht viel, Wer sich tummelt, kommt ans Ziel. Wer nichts weiß, betracht´s beim Licht, Bleibt doch stets ein armer Wicht.
 
Text 04 Bettelmanns Hochzeit aus: Des Knaben Wunderhorn
Widele, wedele, Hinterm Städele Hat der Bettelmann Hochzeit; Pfeift ihm Läusle, Tanzt ein Mäusle, ´s Igele schlägt die Trommel; Alle die Tier, die Wedele haben, Sollen zur Hochzeit kommen.
 
Text 05 Butzemann aus: Des Knaben Wunderhorn
Es tanzt ein Butzemann In unserm Haus herum di dum, Er rüttelt sich, er schüttelt sich, Er wirft sein Säckchen hinter sich. Es tanzt ein Butzemann In unserm Haus herum.
 
Text 06 Mit ´ner Bretzel, Klaus Groth
Annmaria kumm, kumm, kumm, Lat mi doch mal in, Ik heff en Kringel krumm, krumm, krumm, Und Botter is derin, Kringel krumm mit Zucker um, Un Botter is derin.
 
Text 07 Spatzenausflug, Friedrich Wilhelm Güll
Die Spatzen schrei´n in ihrem Nest, Als hätten sie ein großes Fest - Philipzipzip! Philipzipzip! Und weiß nicht, wie viel Gäst´. Nun ist vorbei Gesang und Schmaus, Da fliegen sie aufs Dach heraus - Philipzipzip! Philipzipzip! Und ruh´n ein wenig aus.
 
Text 08 Der erste Ostertag, Heinrich Hoffmann
Fünf Hasen, die saßen Beisammen dicht, Es machte jeder Ein traurig Gesicht. Sie jammern und weinen: Die Sonn will nicht scheinen! Bei so viel Regen, Wie kann man da legen Den Kindern das Ei? O weih, o weih!
 
Text 09 Dumme Gans, Kate Greenaway
Nein, Hänschen, sieh´ die dumme Gans, Wie die sich spreizt und ziert, Und ihren dummen kleinen Hund Voprnehm spazieren führt! . Die kann nicht laufen, wie wir´s tun, In ihrem neuen Kleid; Die kann nur trippeln auf den Zeh´n, - Hänschen, sie tut mir leid!
 
Text 10 Die Entzweiten, Johannes Trojahn
Nun ist es zwischen Franz und mir Ganz aus für alle Zeit. Da steht er jetzt, und ich steh´ hier - Ich glaub, es tut uns leid. Uns beiden ist nicht wohl zu Mut, Wir sind so trüb und stumm. Ach wären wir uns wieder gut, Ich  gäb meinen Apfel drum.
 
Text 11 Eine Kuh, die saß im Schwalbennest, Gustav Falke
Eine Kuh, die saß im Schwalbennest Mit sieben jungen Ziegen, Sie feierten ihr Jubelfest Und fingen an zu fliegen. Der Esel zog Pantoffeln an, Ist übers Haus geflogen. Und wenn das nicht die Wahrheit ist, So ist es doch gelogen.
 
Text 12 Der erste Zahn, Matthias Claudius
Viktoria! Viktoria! Der kleine weiße Zahn ist da. Du, Mutter, komm, Groß und Klein im Hause kommt und guckt hinein Und seht den hellen, weißen Schein. Der Zahn soll Alexander heißen, Du liebes Kind, Gott halt ihn dir gesund Und geb' dir Zähne mehr in deinen kleinen Mund Und immer was dafür zu beißen.
 
Text 13 Fritze, Matthias Claudius
Nun mag ich auch nicht länger leben, Verhasst ist mir des Tages Licht; Denn sie hat Franze Kuchen gegeben, Mir aber nicht.
 
Text 14 Frühlingsbotschaft, Hoffmann von Fallersleben
Kuckuck, Kuckuck ruft aus dem Wald: Lasset uns singen, tanzen und springen! Frühling, Frühling wird es nun bald. Kuckuck, Kuckuck lässt nicht sein Schrein: komm´ in die Felder; Wiesen und Wälder! Frühling, Frühling stelle dich ein.
 
Text 15 Verwandlung, Robert Reinick
Steht die Alte im Walde Und schneidet sich Klee; Kommen Jungen gesprungen Und schimpfen. O weh! Hebt die Alte im Walde Die Krück´ in die Höh´, Und die Helden, die sie schelten, Werden Hasen - o je!
 
Text 16 Winterabend, Carl Ferdinands
Hinterm Ofen ist es gut sein, Wenn´s graupelt und schneit, Hinterm Ofen ein Schläfchen, Das nenn ich gescheit. Hinterm Ofen ruht das Hündchen, ruhn die Stiefel, ruhn die Schuh, Und im Ofen der Sturmwind Summt ein Schlummerlied dazu.
 
Text 17 Neujahrswunsch, Carl Ferdinands
Ein neues Jahr voll Sonnenschein, Voll Äpfel und Birnen und Korn und Wein! Uns allen viel Arbeit und freie Zeit Und dem Garten ein neues, grünes Kleid. Ein neues Weihnachten auch dabei, Mein Spielzeug ist schon heute entzwei.
 
Text 18 Kinderlied im Grünen, Carl Ferdinands
Wir sitzen im Grünen und üben ein Lied. Durch die Blumen ein leises Singen zieht. Und Schwalben schießen die Wiese entlang, Es klingt ihr Zwitschern zu unserm Gesang. Und die Rehe kommen heran aus dem Feld, Und das Häslein hat sich daneben gestellt. Wir üben mit Blumen, Vogel und Tier: "Herr, Großer Gott, dich loben wir!"
 
Text 19 Kinderreim
Vögel, die nicht singen, Glocken, die nicht klingen, Pferde, die nicht springen, Kinder, die nicht lachen, was sind das für Sachen.
 
Text 20 Kinderreim
Hör doch auf zu weinen, die Sonne wird scheinen, die Glocken werden klingen, die Vögel werden singen, der Kockuck wird schrei´n, ´s wird immer schön sein.
 
Text 21 Kinderreim
Kühlein und das Kälbchen, Schwalbe und das Schwälbchen, Schaf und Lamm beisammen sind, jede Mutter hat ihr Kind, jedes Kind die Mutter sein - alle, alle schlafen ein.
 
Text 22 Kinderreim
Im Garten steht ein Vogelhaus. Drunter sitzt ´ne Haselmaus. Streckt dir lang die Zunge raus Streck zurück! Und du bist raus!
 
Text 23 Kinderreim
Eins, zwei, Papagei, drei, vier, Offizier, fünf, sechs, alte Hex, sieben, acht, Kaffee gemacht, neun zehn, weiter geh'n, elf, zwölf, junge Wölf, dreizehn, vierzehn, Haselnuss, fünfzehn, sechzehn, du bist du's.
 
Text 24 Kinderreim
Ein Rabe schleppte tausend Dinge, Geld, Glaskorallen, Perlen, Ringe, in seinen Winkel, wo er schlief. Der Haushahn sah dies an, und rief: "Was tust du, Freund, mit diesen Sachen, die dich doch niemals glücklich machen?" "Ich weiß es selber nicht", sprach der Rabe. "Ich hab´ es nur, damit ich´s habe.
 
Text 25 Die drei Spatzen, Christian Morgenstern
In einem leeren Haselstrauch da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch. Der Erich rechts und links der Franz und mitten drin der freche Hans. Sie haben die Augen zu, ganz zu, Und obendrüber das schneit es, hu! Sie rücken zusammen dicht an dicht. So war wie der Hans hat's niemand nicht. Sie hör´n alle drei ihr Herzlein Gepoch. Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch
 
Text 26 Kinderreim
Die Raben rufen: "Krah, krah, krah! Wer steht denn da, wer steht denn da? Wir fürchten uns nicht, wir fürchten uns nicht vor dir mit deinem Brillengesicht. Wir wissen ja ganz genau, du bist nicht Mann, du bist nicht Frau. Du kannst ja nicht zwei Schritte geh'n und bleibst bei Wind und Wetter steh'n. Du bist ja nur ein bloßer Stock, mit Stiefeln, Hosen, Hut und Rock. Krah, krah, krah!"
 
Text 27 Kinderreim
Der Kuckuck auf dem Zaune saß, da kam der Regen, da ward er nass. Da kam der liebe Sonnenschein, da ward der Kuckuck hübsch und fein.
 
Text 28 Kinderreim
Drei Rosen im Garten, drei Lilien im Wald, im Sommer ist´s lustig, im Winter ist´s kalt.
 
Text 29 Kinderreim
Es geht ein Mann durch Föhren ... Sein Schritt ist kaum zu hören ... Doch pürscht der Gute mit dem Wind! Drum merkt das kleinste Hasenkind mit seinem Schnuppernäschen: Es kommt ein Feind fürs Häschen! - Und rettet sich geschwind.
 
Text 30 Kinderreim
A B C , das Kätzchen lief im Schnee, und wie es wieder nach Hause kam, da hatt´ es weiße Höschen an. Ojemine, o weh! A b c , das Kätzchen lief zur Höh, sie leckt´ ihr kaltes Pfötchen rein und putzt´ sich auch die Höselein und ging nicht mehr im Schnee.
 
Text 31 Zwischendurch, Christian Morgenstern
Ein Hund, der nass im Regen wurde, empfand die Nässigkeit als Burde und wünschte sich ein Taschentuch, um sich zum mindesten die Nase - statt dessen wälzte er im Grase sich, doch mit Misserfolg, da dies ihm gleichfalls nichts als Nässe ließ.
 
Text 32 Stiller Vormittag, Christian Morgenstern
Es war ein solcher Vormittag, wo man die Fische singen hörte; kein Lüftchen lief, kein Wellchen störte, kein Wellchen wölbte sich zum Schlag. Nur sie, die Fische, brachen leis der weit und breiten Stille Siegel und sangen millionenweis.
 
Text 33 Die drei Der Schnupfen, Christian Morgenstern
Ein Schnupfen hockt auf der Terrasse, auf dass er sich ein Opfer fasse - und stürzt alsbald mit großem Grimm auf einen Menschen namens Schrimm. Paul Schrimm erwidert prompt: Pitschü! und hat ihn drauf bis Montag früh.
 
Text 34 Das Perlhuhn, Christian Morgenstern
Das Perlhuhn zählt: eins, zwei, drei, vier, ... Was zählt es wohl, das gute Tier, dort unter den dunklen Erlen? Es zählt, von Wissensdrang gejückt, (die es sowohl wie uns entzückt): die Anzahl seiner Perlen.
 
Text 35 Der Trichter, Christian Morgenstern
Zwei Trichter wandeln durch die Nacht. Durch ihres Rumpfes verengten Schacht fließt weißes Mondlicht still und heiter auf ihren Waldweg u.s.w.
 
Text 36 Vice versa, Christian Morgenstern
Ein Hase sitzt auf einer Wiese, des Glaubens, niemand sähe diese. Doch im Besitze seines Zeißes, betrachtet er voll gehaltnen Fleißes vom vis-a-vis gelegnen Berg ein Mensch den kleinen Löffelzwerg Ihn aber blickt hinwiederum ein Gott von fern an, mild und stumm.
 
Text 37 Das Huhn, Christian Morgenstern
In der Bahnhofshalle, nicht für es gebaut, geht ein Huhn hin und her ... Wo, wo ist der Herr Stationsvorsteh´r? Wird dem Huhn man nichts tun? Hoffen wir es! Sagen wir laut: dass ihm unsre Sympathie gehört, selbst an dieser Stätte, wo es - >stört<!
 
Text 38 Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt, Christian Morgenstern
Jaguar Zebra Nerz Mandrill Maikäfer Ponny Muli Auerochs Wespenbär Lochtauber Robbenbär Zehenbär.
 
Text 39 Der Fuchs und die Hühner, Christian Morgenstern
Es lockt der Fuchs die Hühner, sie werden immer kühner; er lockt sie mit der Flöte, daß er sie alle töte. Oh Hühner, laßt die Neugier sein und fallt auf keinen Fuchs herein.
 
Text 40 Meeresstille, Johann Wolfgang von Goethe
Tiefe Stille herrscht im Wasser, Ohne Regung ruht das Meer, Und bekümmert sieht der Schiffer Glatte Fläche ringsumher. Keine Luft von keiner Seite! Todesstille fürchterlich! In der ungeheuren Wete Reget keine Welle sich.
 
Text 41 Wiegenlied, Clemens Brentano
Singt leise, leise, leise, Singt ein flüsternd Wiegenlied, Von dem Monde lernt die Weise, Der so still am Himmel zieht. Singt ein Lied so süß gelinde, Wie die Quellen auf den Kieseln, Wie die Bienen um die Linde Summen, murmeln, flüstern, rieseln.
 
Text 42 Heinrich Heine
Leise zieht durch mein Gemüt, Liebliches Geläute, Klinge, kleines Frühlingslied, Kling hinaus ins Weite. Kling hinaus bis an das Haus, Wo die Blumen sprießen. Wenn du eine Rose schaust, Sag, ich lass sie grüßen.
 
Text 43 Novembertag, Christian Morgenstern
Nebel hängt wie Rauch ums Haus, drängt die Welt nach innen; ohne Not geht niemand aus, alles fällt in Sinnen. Leiser wird die Hand, der Mund, stiller die Gebärde. Heimlich, wie auf Meeresgrund, träumen Mensch und Erde.
 
Text 44 Ein kleines Lied, Marie von Ebner-Eschenbach
Ein kleines Lied, wie geht´s nur an, das man so lieb es haben kann? Was liegt darin? Erzähle! Es liegt darin ein wenig Klang, ein wenig Wohllaut und Gesang und eine ganze Seele.
 
Text 45 Der Seufzer, Christian Morgenstern
Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis und träumte von Liebe und Freude. Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß glänzten die Stadtwallgebäude. Der dacht an ein Maidelein und blieb erglühend stehen. Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein - und er sank - und ward nimmer gesehen.
 
Text 46 Die zwei Wurzeln, Christian Morgenstern
Zwei Tannenwurzeln goss und alt unterhalten sich im Wald. Was droben in den Wipfeln rauscht, das wird hier unten ausgetauscht. Ein altes Eichhorn sitzt dabei und strickt wohl Strümpfe für die zwei. Die eine sagt: knig. Die andre sagt: knag. Das ist genug für einen Tag. 49. Herr Meier Christian Morgenstern Herr Meier hält sich für das Maß der Welt.
 
Text 47 Verständlich ist allein, was ihm erhellt. Herr Meier sagt, wozu doch eure Kunst, wenn nicht für mich! Sonst ist sie eitel Dunst. Noch mehr, bei weitem mehr: Herr Meier meint, dass dann die Kunst im Grunde sträflich scheint. Man muß sich eiligst von Herrn Meier wenden, um nicht mit Mord und Raserei zu enden.
 
Text 48 Der Schaukelstuhl auf der verlassenen Terrasse, Christian Morgenstern
Ich bin ein einsamer Schaukelstuhl und wackel im Winde, im Winde. Auf der Terrasse, da ist es kuhl, und ich wackel im Winde, im Winde. Und ich wackel und nackel den ganzen Tag. Und es nackelt und rackelt die Linde. Wer weiß, was sonst wohl noch wackeln mag im Winde, im Winde, im Winde.
 
Text 49 Am Abend, Theodor Fontane
Sinkt der Tag in Abendgluten, schwimmt das Tal in Nebelflute. Heimlich aus der Himmelsferne blinken schon die goldnen Sterne. Flieg zum Nest und schwimm zum Hafen! Gute Nacht! Die Welt will schlafen!
 
Text 50 Doppekmoppel, Kurt Schwitters
Der Herr von Doppelmoppel hat alle Dinge doppel. Er hat ein Doppelkinn mit Doppelgrübchen drin. Er führt ein Doppelleben, das zweite stets daneben. Er hat ein Doppelweib zum Doppelzeitvertreib. Der Herr von Doppelmoppel hat eben alles doppel.
 

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© Palmen-Express · Hendrik Schweiger · Wiesbaden · Kontakt: per Mail oder Feedbackformular