Fahrkartentexte der Erwachsenen-Fahrkarten 2010

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´s Bähnsche Billjedd und Frédéric Chopin

   
   
Text 01

Fryderyk Franciszek Chopin wurde am 1. März 1810 in Zelazowa Wola geboren und am 23. April in der Wehrkirche von Brochów (Polen) getauft.
 

Text 02

Sein Geburtsdatum ist nicht eindeutig gesichert. Auf seiner lateinisch geschriebenen Taufurkunde, die etwa 50 Jahre nach seinem Tode entdeckt wurde, ist als Geburtsdatum der 22. Februar 1810 vermerkt. Auch die polnische Geburtsurkunde mit der eigenhändigen Unterschrift des Vaters bestätigt den 22. Februar 1810.
 

Text 03

Er war polnischer Komponist, Pianist und Pädagoge und einer der einflussreichsten und beliebtesten Klavierkomponisten des neunzehnten Jahrhunderts und galt als bedeutendste Persönlichkeit in der Musikgeschichte Polens.
 

Text 04

Sein Vater, Nicolas Chopin (1771–1844), ein Franzose, dessen Abstammung umstritten ist, hatte auf dem väterlichen Weingut in Lothringen sein Auskommen gehabt, wanderte aber 1788 nach Polen aus.
 

Text 05

Sein Vater verdingte sich in Polen als Bürokraft und Hilfsarbeiter, nahm die polnische Staatsbürgerschaft an, kämpfte im russisch-polnischen Krieg und dem folgenden Kosciuszko-Aufstand auf der Seite Polens und arbeitete nach dem Untergang des polnischen Staates als Hauslehrer für Französisch in verschiedenen adligen Familien.
 

Text 06

Sein Vater lernte die aus einem verarmten polnischen Adelsgeschlecht stammende Justyna Krzyzanowska, eine Verwandte eines seiner Arbeitgeber, kennen und heiratete sie am 2. Juni 1806.
 

Text 07

Ihre Familie begrüßte diese Verbindung und vermittelte Nicolas Chopin eine Stelle als Französischlehrer an einem neu gegründeten Gymnasium.
 

Text 08

Als die Chopins 1810 nach Warschau umgezogen waren, nahmen sie einige Untermieter auf, darunter Julian Fontana, der mit Frédéric Chopin in lebenslanger Freundschaft verbunden war.
 

Text 09

Er war bis zu seinem Umzug nach Amerika im Jahre 1841 als Kopist, Arrangeur, Sekretär und Impresario für Chopin tätig und veröffentlichte nach Chopins Tod (17. Oktober 1849 in Paris) einige von dessen nachgelassenen Werken.
 

Text 10

Frédéric Chopin und seine drei Schwestern Ludwika (*1807), Isabella (*1811) und Emilia (*1812) erhielten eine gründliche Erziehung, die von Herzlichkeit und Toleranz geprägt war.
 

Text 11

Der Tradition zufolge war es Aufgabe der Mutter sowie der Schwester Ludwika, den Jungen an das Klavier heranzuführen.
 

Text 12

Chopins musikalisches Talent zeigte sich früh, er galt als Wunderkind und komponierte schon von im Alter von sieben Jahren.
 

Text 13

Seine ersten Polonaisen B-Dur und g- Moll sind auf 1817 datiert und ließen eine außergewöhnliche improvisatorische Begabung erkennen. Sein einziger Lehrer war in den Jahren von 1816 bis 1822 der polnische Pianist und Violinist Wojciech Adalbert Zywny.
 

Text 14

Im Jahr 1818 spielte der Achtjährige anlässlich eines Wohltätigkeitszweckes ein Konzert des österreichischen Komponisten Adalbert Gyrowetz und trat seither in den Salons des polnischen Hochadels und der Aristokratie auf.
 

Text 15

Seit 1822 nahm Chopin Privatunterricht in Musiktheorie und Komposition bei Józef Elsner. Ein Jahr später spielte er öffentlich ein Konzert von Ferdinand Ries.
 

Text 16

Chopin absolvierte die Mittelschule (bis 1826) und studierte anschließend am Konservatorium zunächst Kontrapunkt, dann auch Musiktheorie, Generalbass und Komposition bei Józef Elsner. Nebenher besuchte er Vorlesungen an der Universität.
 

Text 17

Er komponierte eifrig und legte die Ergebnisse seinem Lehrer Elsner vor, der dazu feststellte: „Er meidet die ausgetretenen Pfade und gewöhnlichen Methoden, aber auch sein Talent ist ungewöhnlich.“
 

Text 18

Chopins zweites veröffentlichtes Werk, die unter der Opus-Zahl 2 erschienenen Variationen über das Thema „Là ci darem la mano“ aus der Mozart-Oper Don Giovanni, erregte wenige Jahre später Aufsehen in Deutschland.
 

Text 19

1831 schrieb der Komponist Robert Schumann als Musikkritiker in der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung unter dem Titel „Ein Werk II.“ mit dem Ausruf „Hut ab, Ihr Herren, ein Genie“ eine huldigende Rezension über dieses Werk Chopins.
 

Text 20

Im Juli 1829 beendete Chopin sein Studium. In Elsners Beurteilung heißt es: „Szopen Friderik. Szeczególna zdolnosc, geniusz muzyczny (Chopin Frédéric. Besondere Begabung, musikalisches Genie).
 

Text 21

Zwischen 1829 und 1831 hielt sich Chopin abwechselnd in Warschau, Wien und in Paris auf. Er gab mehrere Konzerte, denen Publikum wie Fachpresse großes Lob zollte.
 

Text 22

1829 verliebte sich Chopin in die Konservatoriumsschülerin Konstancja Gladkowska.
 

Text 23

1831 siedelte Frédéric Chopin endgültig nach Paris über. Der Abschied von seiner Heimat Polen fiel ihm nicht leicht.
 

Text 24

Von Paris war Chopin sehr an getan. Die Baulichkeiten und das Ambiente der Stadt sowie das großstädtische Flair der Parisiennes faszinierten ihn.
 

Text 25

Paris sei die schönste aller Welten, schrieb er in einem Brief nach Polen. Hier lernte er den von ihm als Pianist verehrten Friedrich Kalkbrenner kennen, der ihm anbot, ihn drei Jahre lang zu unterrichten.
 

Text 26

Chopin lehnte jedoch ab, in der Sorge, seine persönliche Art des Klavierspielens zu verlieren. Selbstbewusst stellte er fest, nichts werde imstande sein, einen vielleicht allzu kühnen, aber edlen Willen und Plan, sich eine neue Welt zu schaffen, zu verwischen.
 

Text 27

Chopins Briefen kann man entnehmen, dass er den Vermutungen seiner Freunde und seines Lehrers J. Elsner entgegentrat, Kalkbrenner habe es nur darauf abgesehen, sich damit zu schmücken, der Lehrer Chopins zu sein.
 

Text 28

In Paris finanzierte Chopin seinen Lebensunterhalt mit Konzerten. Zunächst deckten die Einnahmen gerade die Kosten, Chopin war einfach noch nicht bekannt genug.
 

Text 29

Ein einflussreicher Förderer nahm ihn schließlich mit zu einem Empfang bei der Familie Rothschild. Sein Klavierspiel entzückte die Gäste so sehr, dass er im Handumdrehen eine Reihe von Klavierschülern – und vornehmlich Klavierschülerinnen – gewonnen hatte.
 

Text 30

Dadurch hatte Chopin ab 1833 ein geregeltes Einkommen, das durch Honorare für Konzerte und Kompositionen zusätzlich Aufstockung erfuhr. Seine Verhältnisse waren somit geordnet.
 

Text 31

Er konnte sich eine private Kutsche und Bedienstete leisten und ließ seine Kleidung nur aus feinsten Stoffen fertigen.
 

Text 32

Sein aufwändiger Lebensstil verschlang so viel Geld, dass er sich bald genötigt sah, statt vier Stunden nun fünf Stunden täglich zu unterrichten.
 

Text 33

Zu Chopins Freundeskreis zählten u.a. die Dichter Alfred de Musset, Honoré de Balzac, Heinrich Heine, Adam Mickiewicz, der Maler Eugène Delacroix, die Musiker Franz Liszt, Ferdinand Hiller und Auguste Franchomme sowie die Schriftstellerin George Sand.
 

Text 34

George Sand hatte er im Hause Franz Liszts kennen gelernt, und seine erste Reaktion auf diese in Männerkleidung auftretende, Zigarren rauchende Frau war pure Ablehnung.
 

Text 35

1835 machte er in Leipzig, vermittelt durch Felix Mendelssohn Bartholdy, Bekanntschaft mit Clara Wieck und Robert Schumann sowie 1836 mit Adolph von Henselt in Karlsbad.
 

Text 36

Als Chopin 1837 wegen einer unglücklichen Liebe zu der damals 18-jährigen Maria Wodzinska in eine Lebenskrise geriet, war es die sechs Jahre ältere George Sand, die ihm sein seelisches Gleichgewicht wiedergab.
 

Text 37

Auf den ersten Blick scheint dies verwunderlich: Maria Wodzinska und George Sand hatten so gut wie nichts miteinander gemein. Wodzinska war ein femininer Typ, wohingegen die Schriftstellerin Sand sich als selbstbewusste, provozierende und antithetisch gebende Persönlichkeit darstellte.
 

Text 38

Aufgrund der Tatsache, dass Chopin sie beim ersten kennen lernen vehement abgelehnt hatte, blieben bei dem Verhältnis der beiden zueinander als Liebesbeziehung viele Fragen offen.
 

Text 39

George Sand war eine leidenschaftliche Frau, der eine ganze Reihe zumeist jüngere Männer regelrecht verfielen. Ob das auch auf Chopin zutraf, lässt sich nicht beantworten.
 

Text 40

Zehn Jahre sollte diese intime Beziehung dauern. In dieser Zeit hielt sich das Paar abwechselnd in Paris sowie auf Sands Landsitz in Nohant auf.
 

Text 41

Auf ärztlichen Rat übersiedelte George Sand mit ihren Kindern Maurice und Solange im November 1838 nach Mallorca. Chopin, der zeitlebens an Tuberkulose litt, erhoffte sich eine Linderung seines Leidens durch ein milderes Klima und schloss sich der Familie an.
 

Text 42

Auf Grund des unleidlichen Wetters, der zu kalten Räumlichkeiten, sowie der Distanziertheit der Mallorquiner gegenüber dem unverheirateten Paar, entschloss sich Chopin, nach 98 Tagen Aufenthalt wieder nach Paris zurück zu kehren.
 

Text 43

Nach der Rückkehr aus Mallorca nahm Chopins Leben einen geregelten Ablauf an. Die Winter waren dem Unterrichten, den gesellschaftlichen Veranstaltungen, dem Kulturleben, den Salons und Chopins wenigen eigenen Auftritten gewidmet, die Sommer verbrachte das Paar bis einschließlich 1846 meist auf George Sands Landsitz Nohant.
 

Text 44

Auf George Sands Landsitz Nohant fand Chopin Zeit und Ruhe fürs Komponieren. Er empfing Freunde und beschäftigte sich z. B. in Gesprächen mit Delacroix mit ästhetischen Fragen.
 

Text 45

Die Beziehung zwischen Chopin und George Sand endete 1847. Der Grund hierfür ist nicht eindeutig geklärt. Weder Chopin noch George Sand haben zu ihrer Trennung Stellung bezogen.
 

Text 46

Im Laufe des Jahres 1847 verschlechterte sich Chopins Gesundheitszustand ernstlich. Seine Schülerin Jane Stirling, die bis zum Zerwürfnis Chopins mit George Sand eher im Hintergrund für Chopin gewirkt hatte, nahm sich nach der Trennung des Paares der Anliegen Chopins an und versuchte dessen immer deutlicher werdende Melancholie zu zerstreuen.
 

Text 47 Der 1848 ausgebrochenen Revolution entging Chopin durch eine sieben Monate dauernde Reise nach Großbritannien, die Jane Stirling organisiert hatte.
 
Text 48

Zurück in Paris nahm er seine Unterrichtstätigkeit wieder auf, was ihm wegen seiner nachlassenden Kräfte allerdings nur sehr unregelmäßig gelang.
 

Text 49

Erwachsene einfache Fahrt Chopin starb am 17. Oktober 1849 in seiner Wohnung an der Place Vendôme Nr. 12 im Pariser Zentrum.
 

Text 50

Chopin wurde auf dem Friedhof – Père Lachaise – beerdigt. Sein Herz wurde auf Chopins Wunsch nach Warschau gebracht und dort in der Heiligkreuzkirche beigesetzt.
 

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